1980

27. April 1980

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Zofinger Tagblatt, 29. April 1980:

Konzert des Zofinger Orchestervereins
Im Geist des «Ancien Régime»

Der letzte Anlass der Zofinger Konzertsaison 1979/80 wurde am Sonntagabend vom Orchesterverein Zofingen unter André Aerschmann bestritten. Gleichzeitig ehrte das Ensemble damit sein langjähriges Mitglied Alfred Häusermann, der seinen 90. Geburtstag feiern darf.

-rk. André Aerschmann, der Leiter des Orchestervereins Zofingen, hat einmal mehr seine glückliche Hand bei der Auswahl der aufzuführenden Werke bewiesen: Er hat vier Kompositionen ausgesucht, die ganz oder doch fast ganz aus dem Geiste des 18. Jahrhunderts geschrieben worden waren und sich als Unterhaltungsmusik in des Wortes bester Bedeutung erwiesen: Musik zur Unterhaltung und Erheiterung der Zuhörer wie der Aufführenden. Mag sein, dass im Konzert selbst nicht ganz alles so geriet, wie es sich die Musikanten vorgestellt hatten. Aber was schadet’s’? Die Freude, den Zuhörern unbekannte Werke zu präsentieren, überwog gewisse Mängel, die vor allem dann deutlich wurden, wenn das Orchester ohne Solisten spielte.

Das Konzert begann mit der Sinfonia D-Dur von Giovanni Giuseppe Cambini, einer abenteuerlichen, aber äusserst produktiven Figur, die ihr Leben in einem Armenhause in der Nähe von Paris beendete. Das aufgeführte Werk wirkte ganz aus dem Stil der Zeit heraus und sehr ansprechend, hübsch, aber nicht gerade genial. Gravitätisch, aber doch nicht ohne eine gewisse Leichtigkeit war das Allegro, während das Andante zu schwer genommen wurde, wodurch seine Aussagekraft etwas litt. Umso erfrischender wirkte das festliche Presto. Als bedeutend origineller erwies sich die Haydn-Sinfonie Nr. 6, D-Dur, mit dem Namen «Le matin». Gerade im ersten Satz glaubte man das Erscheinen der Sonne, das Erwachen der Natur und das Weichen der nächtlichen Schatten zu erleben. Überzeugend waren die Flötensoli, während im zweiten Satz das Zwiegespräch zwischen dem Primgeiger und der ersten Cellistin den musikalischen Höhepunkt bildete. Im dritten Satz kamen die Bläser solistisch zum Zuge, auf sehr gekonnte Weise übrigens. Bei der Aufführung des vierten Satzes dagegen machten sich im Orchester gewisse Müdigkeitserscheinungen bemerkbar.

Kurt MeierRühmenswert ist aber in erster Linie der Solist des Konzertes: Kurt Meier, der sich unbestreitbar als Talent von Rang erwies, und zwar sowohl als Oboist im Concerto von D. Cimarosa als auch als Bläser des noch etwas schwierigeren Englischhorns im Concertino von G. Donizetti. Er beherrscht die beiden Instrumente nicht nur technisch, auch seine Atemtechnik ist ausgefeilt. Die virtuosen Partien blies er mit Bravour, aber auch mit einer selbstverständlich wirkenden Musikalität. Der Orchesterverein Zofingen hat einem jungen Künstler eine Chance gegeben, und dieser hat sie voll und ganz ausgenützt. Die Zuhörer waren mit Recht begeistert. Ich bin überzeugt, dass Kurt Meier noch von sich hören lassen wird — hoffentlich auch wieder in Zofingen!

Nach einer kurzen Introduzione enthält das Cimarosa-Concerto ein äusserst elegantes und virtuoses Allegro  (die Bässe waren eine Spur zu stark), eine bukolische Sicilana und ein elegisches Allegro giusto. Schön war das Zusammenspiel von Solist und Ensemble. Donizettis Concertino lebt ganz aus dem italienischen Melos heraus, mitunter etwas theatralisch, aber im ganzen doch sehr amüsant und abwechslungsreich eben äusserst unterhaltsam.

Der Solist, aber auch der Jubilar und das gesamte Orchester durften herzliche Ovationen entgegennehmen. Alle Beteiligten haben sie redlich verdient!

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