2010

15. Mai 2010 Sindelfingen
29. Mai 2010 Zofingen

29. Mai 2010

Programmheft:

 

Marie-José Larsen

 Marie-José LarsenMarie-José Larsen wuchs in Sindelfingen auf und machte dort auch das Abitur. Schon zu Schulzeiten war sie Mitglied mehrerer Chöre und Orchester, in denen sie auch solistische Aufgaben übernahm. Sie studierte in Stuttgart Querflöte, Schulmusik und Orchesterleitung und in Tübingen Musikwissenschaften. Danach arbeitete sie als Solistin und als Musiklehrerin und leitete Chöre und Orchester. Ausserdem war sie Dozentin an Kursen des Internationalen Arbeitskreises für Musik in Kassel. Konzertreisen führten sie nach Italien, England, Brasilien und Russland. Seit dem Jahr 2000 ist sie als Schulmusikerin im Musikgymnasium Böblingen tätig und leitet das Schulsymphonieorchester mit rund 70 Mitwirkenden. Daneben leitet sie weiterhin das Markusorchester Sindelfingen und tritt solistisch auf.

Das Markusorchester Sindelfingen

Markusorchester Sindelfingen

Die Geschichte des Orchesters beginnt 1954, als Marianne Gross-Donner für ihre damaligen Schüler an der Volkshochschule ein Jugendorchester - auch so benannt - gründete.
Ab 1974 wurde es unter den Dirigenten Karin Hanau, Kurt Mack und Otto Maisch als Volkshochschulorchester weitergeführt. 1996 übernahm Marie-José Larsen (ausgebildete Schul-und Kirchenmusikerin) als Dirigentin das Orchester. Kurze Zeit später wurde es an die Markuskirchengemeinde - eine Teilgemeinde der Martinskirche Sindelfingen - angegliedert, nun unter dem Namen Markusorchester.
Das Repertoire des Orchesters ist weit gestreut und reicht von der musikalischen Gestaltung von Gottesdiensten über Konzerte mit klassischer Musik bis zu Salon-und Filmmusik.
Wesentlich für das Markusorchester ist die freundschaftliche Atmosphäre, die ebenso intensive Probenarbeit wie gemeinsame Freizeitaktivitäten ermöglicht.
www.markusorchester-sindelfingen.de

Markusorchester Sindelfingen

Sindelfingen

Sindelfingen liegt etwa 20 km südwestlich von Stuttgart und hat eine lange Geschichte und eine schöne Altstadt:

Sindelfingen (Merian)«Wenn wir uns auf die Suche nach den frühesten Wurzeln des modernen Sindelfingen machen, so müssen wir in der Geschichte weit hinter die mittelalterliche Stadtgründung zurück bis zur Jungsteinzeit gehen. Aus dieser Zeit stammen die ersten, wenn auch noch recht spärlichen Spuren menschlicher Besiedlung. Deutlicher wird das Bild in nachchristlicher Zeit, als zwischen dem ersten und dritten Jahrhundert unterhalb des Goldbergs eine römische Siedlung bestand.

Nach der Vertreibung der Römer siedelten sich auch in Sindelfingen Alemannen an. Die außerordentlich wertvollen Grabbeigaben, die im Bereich des heutigen Stifts-Gymnasiums gefunden wurden, weisen auf eine sehr wohlhabende Oberschicht hin, die hier gelebt hat.

SindelfingenDas älteste Bauzeugnis Sindelfingens ist die romanische Martinskirche, die im 11. und 12. Jh. als Mittelpunkt eines Chorherrenstifts erbaut wurde. Die Chorherren waren Weltgeistliche, deren Lebensführung nicht so streng geregelt war wie die der Mönche. 1263 gründete Graf Rudolf von Tübingen südlich des Stifts in symmetrischer Ausrichtung auf die Martinskirche die Stadt Sindelfingen. Obwohl es sich um zwei eigenständige Rechtsgebilde handelte, waren die Beziehungen zwischen der bescheidenen, bäuerlichen Stadt und dem wohlhabenden Stift aufgrund der räumlichen Nähe immer eng.

Zur finanziellen und personellen Ausstattung ihrer neugegründeten Universität verlegten Graf Eberhard und seine Mutter Mechthild das Stift 1477 nach Tübingen - für Sindelfingen ein herber Verlust, und so ist auch aus den nächsten Jahrhunderten wenig zu berichten. Schwer zu leiden hatten Sindelfinger Frauen im 16. und 17. Jh. unter den Hexenverfolgungen, die in der damals etwa 1400 Einwohner zählenden Stadt mindestens 17 Opfer forderten. Auch an den Folgen des Dreißigjährigen Krieges hatte die Stadt lange zu tragen.

SindelfingenEs dauerte bis ins 19. Jh., bevor Sindelfingen in größerem Umfang über den mittelalterlichen Stadtkern hinauszuwachsen begann. Mittlerweile war das Städtchen zu einem Zentrum der Handweberei in Württemberg geworden, denn viele Menschen mussten sich aufgrund der bedrängenden wirtschaftlichen Situation neben der Landwirtschaft ein weiteres Erwerbsfeld suchen. Die Industrieansiedlung verlief wegen der ungünstigen Verkehrslage zunächst schleppend. Dies änderte sich schlagartig, als die Daimler-Motoren-Gesellschaft 1915 in Sindelfingen ein Zweigwerk gründete. Innerhalb weniger Jahrzehnte wandelte sich die Stadt zu einem modernen Industriestandort. Vor allem nach dem Zweiten Weltkrieg, in dem auch Sindelfingen durch Luftangriffe schwer zu leiden hatte, nahm die Stadt eine rasante wirtschaftliche und städtebauliche Entwicklung. 1962 zur Großen Kreisstadt erhoben, folgte 1971 die Eingemeindung von Darmsheim und Maichingen. Begleitet war der Wachstumsprozess von einem großzügigen Ausbau der Infrastruktur.»
(www.sindelfingen.de)

 

Zofinger Tagblatt, 25. Mai 2010: 

Romantisches Konzert

Das Orchester Zofingen spielt zusammen mit dem Markusorchester Sindelfingen am 29. Mai im Stadtsaal
Zofingen, Stadtsaal, Samstag, 29. Mai, 20 Uhr.

Marie-José LarsenAm letzten Samstag im Mai schliessen sich das Orchester Zofingen und das Markusorchester Sindelfingen zu einem grossen Sinfonieorchester zusammen. Rund 60 Musikerinnen und Musiker werden am Konzert mitwirken.

In den letzten Wochen und Monaten ergab sich eine intensive Zusammenarbeit zwischen dem Orchester Zofingen und dem Markusorchester Sindelfingen. Das Markusorchester wurde 1954 gegründet und trat anfänglich als Volkshochschulorchester auf. In den Neunzigerjahren wurde es an die Markuskirchgemeinde angegliedert und nahm den heutigen Namen an. Sein Repertoire ist weit gefächert und reicht von der musikalischen Gestaltung von Gottesdiensten über Konzerte mit klassischer Musik bis zu Salon- und Filmmusik. Es steht seit 1996 unter der Leitung von Marie-José Larsen, welche im «Concertino für Flöte und Orchester» von Cécile Chaminade als Solistin auftritt. Sie erhielt ihre Ausbildung in Stuttgart und Tübingen. Konzertreisen führten sie nach Italien, England, Brasilien und Russland.

Etwas südlich von Stuttgart
Sindelfingen liegt rund zwanzig Kilometer südlich von Stuttgart. Die aus dem 11. und 12. Jahrhundert stammende Martinskirche und die historische Altstadt mit ihren zahlreichen mittelalterlichen Fachwerkhäusern zeugen von einer langen und reichen Vergangenheit. Die Martinskirche war das Zentrum des Chorherrenstifts. 1477 löste Graf Eberhard im Bart von Württemberg das Stift auf und bildete daraus die Universität Tübingen mit den vier Fakultäten Theologie, Jura, Medizin und Philosophie. Heute ist Sindelfingen eine moderne Industriestadt mit rund 60 000 Einwohnern und einemreichen und vielfältigen Kulturleben.

Mendelssohn, Chaminade, Schubert
Die vereinigten Orchester aus Sindelfingen und Zofingen eröffnen das Konzert mit Felix Mendelssohns Ouvertüre «Meeresstille und glückliche Fahrt», die Johann Wolfgang von Goethes gleichnamige Gedichte kraftvoll vertont. Sie erzählen von den Sorgen des Schiffers über das glatte, stille Meer und vom aufkommenden Wind, der das Wasser aufwühlt und die Schiffe in rauschende Fahrt versetzt.

Cécile Chaminades «Concertino für Flöte und Orchester» aus dem Jahr 1902 gehört zu den Paradestücken für Flöte und Orchester. Chaminade schrieb daneben vor allem Charakterstücke für Klavier und Salonlieder. Sie wurde 1857 in Paris geboren und starb 1944 in Monte Carlo. Neben ihrer kompositorischen Arbeit führten sie Konzertreisen als Pianistin durch ganz Europa und durch den nordamerikanischen Kontinent. Besonders populär wurde ihre Musik in England, wo sie auf Einladung von Queen Victoria einige Zeit in Windsor Castle verbrachte.

Schuberts 7. Sinfonie, die «Unvollendete », beschliesst das Konzert. Sie entstand 1822 und besteht lediglich aus zwei Sätzen. Weshalb Schubert die Arbeit daran einstellte, ist nicht bekannt.

Zofinger Tagblatt, 31. Mai 2010:

Musikalische Harmonie

Zofingen - Partnerschaftliches Konzert des Markusorchesters Sindelfingen mit dem Stadtorchester Zofingen im Stadtsaal

Orchester Zofingen ZUSAMMENSPIEL: In jeder Beziehung einig waren sich die Mitglieder des deutschen Markusorchesters aus Sindelfingen und des Orchesters Zofingen am Sinfoniekonzert im Stadtsaal.

KURT BUCHMÜLLER
Innert vierzehn Tagen musizierten die beiden Orchester zwei Mal gemeinsam mit dem gleichen Programm: Am 15. Mai im Markuszentrum Sindelfingen und am 29. Mai im Stadtsaal Zofingen. In der Musik schlugen sie sogleich die gleichen Töne an, wozu die Politik manchmal mehr Mühe hat. 2005 übernahm der frei schaffende Dirigent, Tubist und Musikwissenschaftler Christoph Moor die Leitung des Orchesters Zofingen. Mit seinen internationalen Erfahrungen und Kontakten hat er das Musikleben in Zofingen aufgefrischt und neue Programmideen eingebracht. Im Mai 2009 holte er mit Studentinnen der Musikhochschule Basel die schönsten Opernarien auf die Bühne des Stadtsaals, im Mai 2008 offenbarte sich die russische Seele und im November 2007 trat die Berufsklasse der Ballettschule des Theaters Basel in Erscheinung. Gemeinsam mit dem Orchester Sindelfingen ist es ihm gelungen, den Stadtsaal mit dem  Klangvolumen eines grossen Orchesters zu füllen, und das mit zwei sinfonischen Werken, wo das richtig zum Tragen kommt.

Musikalische Umsetzung eines Gedichtes
Man traute seinen Ohren kaum, als die vereinigten Orchester die dicht bestuhlte Bühne betraten. In das Einstimmen mischte sich Vogelgezwitscher und des Windes Gesäusel, scheinbar von aussen kommend. Das Rätsel löste sich, als eine Stimme die Verse Goethes zu zitieren begann «Tiefe Stille herrscht im Wasser, ohne Regung ruht das Meer». Das waren die Stichworte, die Felix Mendelssohn-Bartholdy in der Konzertouvertüre «Meeresstille und glückliche Fahrt» verarbeitet. Diese Meeresstille holte Christoph Moor im Adagio in D-Dur mit fein abgestimmten Streicherakkorden hervor, ein sanft gleitendes, ruhiges Tempo anschlagend. Hörner- und Flöteneinlagen frischen die Fahrt auf, die Celli übernehmen das Thema, das Tutti im «Molto allegro vivace» beschreibt den das Schiff antreibenden Wind, im Orchester brodelt es konzertiert auf. Die See glättet sich wieder, dosierte Paukenschläge und Trompetenfanfaren künden die Ankunft imHafen an; «Es teilt sich die Welle, es naht sich die Ferne, schon seh ich das Land». Dem Orchester gelang die Kommunikation eines Tongemäldes mit leicht fassbaren Stimmungsbildern.

Zwischenspiel mit Flötenkonzert
Marie-José Larsen, Leiterin des Markusorchesters Sindelfingen, ist auch eine begabte Soloflötistin. Dies bewies sie im «Concertino für Flöte und Orchester» opus 107 von Cécile Chaminade. Christoph Moor sorgte für einen auf die Dominanz der Flöte abgestimmte Begleitung des Orchesters. Die Solistin meisterte souverän das virtuose Rankwerk des Stückes, selbst die schwierige Kadenz erklang leichtfüssig und unbelastet. Das Orchester flocht sich fliessend mit Akzenten der Bläser und Pizzicatos der Streicher ein.

Vollkommene «Unvollendete»
Schubert schrieb von seiner 7. Sinfonie nur zwei Sätze. Trotzdem gilt sie in der Musikgeschichte als Meisterwerk. Darin gehen Melodik und Harmonie eine Verbindung in der musikalischen Abbildung von gegensätzlichen Stimmungsbildern ein. Auf der einen Seite steht im ersten Satz «Allegro moderato» die melodiöse Gesangslinie des Hauptthemas, woraus sich ein wehmütiges Seitenthema entwickelt, das schliesslich in einen dramatischen Zwischensatz mündet. Es ist dieser Zwiespalt zwischen Hoffen und Bangen, Glück und Bedrängnis, der das Werk so ansprechend und berührend macht. Diese Stimmungs- und Tonartwechsel bilden denn auch die Herausforderung und den Massstab der Interpretation. Unter der Leitung von Marie-José Larsen wurde das Orchester diesen Kriterien gerecht. Das zeigte sich schon im einstimmigen Pianissimo der neun Celli und fünf Kontrabässe, die das Hauptthema eröffneten. Auch später in den Pizzicatos glänzten sie durch ihre Präsenz, ebenfalls die Hörner und übrigen Blasinstrumente, wenn sie mit Einlagen hervortraten. Die Streicher erwiesen sich in den singenden Partien als weicher und geschmeidiger Klangkörper, aber auch als fähig zur Betonung von Schwerpunkten.

Das Publikum bedankte sich mit anhaltendem Beifall.

 

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19. Dezember 2010

19. Dezember 2010


Frauenchor Strengelbach 

Frauenchor Strengelbach

Programm

Arvo Pärt, Cantus in memory of Benjamin Britten für Streichorchester und Glocke
Henry Purcell, Chacony für Streichorchester
Benjamin Britten, Ceremony of Carols für Frauenchor und Harfe
Frederick Septimus Kelly, Elegy «In memoriam Rupert Brooke» für Streichorchester und Harfe
Gustav Holst, St. Paul's Suite für Streichorchester
Ralph Vaughan Williams, Folk songs of winter für Frauenchor, Harfe, Bläser und Streicher


Arvo Pärt

Laudatio zur Verleihung des «Brückepreises» durch die deutsch-polnische Doppelstadt Görlitz am 9. November 2007:

Arvo Pärt hat mit musikalischen Mitteln die spirituelle Trennung des europäischen Kontinentes in eine östlich-orthodoxe und in eine westlich-abendländische Hälfte aufgehoben. Mit dem von ihm entwickelten ‹Tintinabuli›-Stil (vom Lateinischen für ‹Glocke›) wurde er zum weltweit am häufigsten aufgeführten Vertreter der sogenannten Neuen Musik.

Pärts Stil, gegründet auf dem Dreiklang und auf elementaren Melodiemodellen, ist von fast provozierender Schlichtheit. Er erwuchs aus einem langen Ringen des Komponisten, der 11. September 1935 in Paide/Estland geboren wurde und seit 1958 am Konservatorium in Tallinn Komposition bei Heino Eller studierte. In seiner ersten Schaffensphase bis 1968 kontrastierte er die in der damaligen Sowjetunion verpönten Stilmittel der Avantgarde mit solchen des Barocks, insbesondere mit Fragmenten aus dem Werk Johann Sebastian Bachs, bis diese ein solches Übergewicht erhielten, dass der Komponist für acht lange Jahre fast ganz verstummte. In dieser Zeit des Studiums alter Musik und des Nachdenkens fand er zum orthodoxen Glauben. Der Konflikt mit den Kulturbehörden hatte schon mit seinem ‹Nekrolog für Orchester› op. 5 1960 eingesetzt, damals aus formalen Gründen: man warf ihm ‹westliche Dekadenz› vor. Mit seinem 1976 gefundenen ‹Tintinabuli›-Stil in ‹Für Alina› und ‹Sarah wurde 90 Jahre alt› (beide 1976) verschärfte sich der Konflikt, weil unüberhörbar wurde, dass für Pärt letztlich alle Musik religiös ist (‹... hinter der Kunst, zwei, drei Töne miteinander zu verbinden, liegt ein kosmisches Geheimnis verborgen. ›). Über Israel kam Arvo Pärt mit seiner Familie 1980 nach Wien, 1981 mit einem Stipendium des Berliner Künstlerprogramms des Deutschen Akademischen Austauschdienstes nach Berlin (West). Hier und in Südengland lebt und wirkt Arvo Pärt bis heute als Brückenbauer zwischen dem östlichen und dem westlichen Europa.

Arvo Pärts Musik ist geprägt von einer ungeheuren Verdichtung des Musikstoffes. Jede Note wird zu einem Ereignis, jeder Klang wird auf seinen Kern geführt, alles wird auf das Notwendige beschränkt. Die ‹Tintinnabuli›-Kompositionstechnik baut Mehrstimmigkeit aus tonalem Klangmaterial auf, ohne auf traditionelle funktionsharmonische Paradigma zurückzugreifen. Jeweils zwei Stimmen fügen sich zu einem ‹Zweiklang› zusammen. Eine von beiden ist der allgegenwärtige Dur-moll-Dreiklang, dessen Töne mit der anderen, einer Art ‹Melodiestimme›, nach sehr strengen Regeln verknüpft sind. Die kompositorische Askese erweckt beim Hörer den Eindruck von Konzentration und Objektivität. Sie atmet jenen Geist des Friedens, der angesichts der weltweiten Entwicklung kriegerischer Konflikte immer wichtiger wird und der Pärts Musik in allen Kontinenten ungezählte Hörer verschafft hat.» (http://www.brueckepreis.de)

Der «Cantus in memory of Benjamin Britten für Streichorchester und Glocke» entstand 1977 und gehört zu den ersten Kompositionen der «Tintinnabuli»-Kompositionstechnik.

Henry Purcell

Henry PurcellHenry Purcell wurde am 10. September 1659 in Westminster als Sohn eines Mitglieds der um 1660 errichteten Sängerkapelle Karls II. (Chapel Royal) geboren. Er erhielt seine Ausbildung als Chorknabe derselben Kapelle. Ab 1676 war er Organist der Westminster Abbey, ab 1682 auch der Chapel Royal. Zunächst schrieb er vorwiegend Schauspielmusiken, später hauptsächlich geistliche Musik und Oden zu festlichen Anlässen des Königshauses. 1689 wurde seine erste Oper Dido und Aeneas uraufgeführt. Darauf folgten 38 weitere dramatische Musikwerke. Henry Purcell starb am 21. November 1695 auf dem Zenit seines Schaffens. Noch zu seinen Lebzeiten galt er als der beste englische Komponist und wurde mit dem Ehrentitel «Orpheus britannicus» gewürdigt.

Benjamin Britten

Benjamin Britten wurde als viertes und jüngstes Kind des Zahnarztes Robert Victor und seiner Ehefrau Edith Rhoda Britten am 22. November 1913 in Lowestoft geboren. Mit fünf Jahren erhielt er von seiner Mutter die ersten Klavierstunden. Im Jahr 1921 schrieb Britten seine ersten Kompositionen. Während der Schulzeit wurde er im Klavier- und Bratschenspiel unterrichtet. 1930 studierte er Klavier und Komposition am Royal College of Music in London. 1939 verließ der erklärte Pazifist Britten Europa und ging in die USA. Noch vor Ende des Krieges kehrte er jedoch 1942 nach Großbritannien zurück. Im selben Jahr schrieb er Ceremony of Carols.

Brittens Kompositionen umfassen Orchester- und Kammermusik, vor allem aber Vokalmusik (Opern, Lieder, Kompositionen für Chor). Er verwendete zwar auch Techniken seiner modernen Zeitgenossen, im Großen und Ganzen ist Brittens Musik aber eher als konservativ zu bezeichnen. Er war ein Verehrer von Henry Purcell.Britten war auch ein außerordentlicher Dirigent und Pianist. Als Pianist ist er häufig als Liedbegleiter aufgetreten. Seit den fünfziger Jahren sind zahlreiche Schallplattenaufnahmen eigener und fremder Werke erschienen.

Neben vielen anderen Auszeichnungen erhielt Britten den Order of Merit - als dritter englischer Komponist nach Edward Elgar und Ralph Vaughan Williams. Am 2. Juli 1976 wurde Britten zu einem Life Peer als Baron Britten von Aldeburgh im County of Suffolk erhoben. Am 4. Dezember 1976 starb er in Aldeburgh.

Frederick Septimus Kelly

Frederick Septimus KellyFrederick Septimus Kelly wurde am 29. Mai 1881 als vierter Sohn eines irischen Vaters und einer australischen Mutter in Sydney geboren. Nach der Schulzeit in Sydney studierte er in England am Eton College und in Oxford. Er war ein erfolgreicher Ruderer und gewann 1908 an den Olympischen Spielen in London mit dem Achter die Goldmedaille. Sein Stil und sein Rhythmus waren berühmt. Später studierte Kelly in Frankfurt bei Iwan Knorr Klavier, war in London Berater der Classical Concert Society, wo er sich für die zeitgenössische Musik einsetzte. 1911 gab er mehrere Konzerte in Sydney.

1914 wurde er als Freiwilliger zum Kriegsdienst in der Marine angeworben. 1915 wurde er in der Schlacht von Gallipoli zweimal verwundet. Er erhielt das Verdienstkreuz und wurde Stabsoffizier. In seinem Zelt in Gallipoli komponierte Kelly die Elegy «In memoriam Rupert Brooke», als der eng befreundete Dichter Brooke, mit welchem er Dienst leistete, im Sterben lag.

Am 13. November 1916 kam er in den letzten Tagen der Schlacht an der Somme im deutschen Maschinengewehrfeuer um.

Gustav Theodore Holst

Gustav Theodore Holst Gustav Theodore Holst wurde am 21. September 1874 in Cheltenham (Grossbritannien) geboren. Der etwas kränkelnde Junge mit Sehschwäche und Asthma interessierte sich schon früh für das Klavierspiel und liess die Geige, das Wunschinstrument der Eltern, bald links liegen. Eine Karriere als Pianist konnte aber auf Grund einer Neuritis in der rechten Hand nicht ins Auge gefasst werden. Holst wandte sich deshalb der Posaune zu und studierte am Royal College of Music. Nebst intensivem Komponieren spielte Holst in verschiedenen Orchestern und heiratete 1901 seine Isobel. Bald wurde dem Paar eine Tochter geschenkt, die nach Holsts Tod einmal den Nachlass von Familienfreund Ralph Vaughan Williams verwalten sollte. Familie, Engagements als Organist, Posaunist, Chorleiter und Komponist raubten dem angeschlagenen Holst die Kräfte. Auf Anraten seines Arztes verbrachte er einen Urlaub in Algerien, wo er mit dem Fahrrad ausgedehnte Wüstenreisen unternahm. Eine Reise nach Amerika und sein Arbeitseifer brachten ihn bald erneut an den Rand eines Nervenzusammenbruchs und machten einen Erholungsaufenthalt in Italien nötig. Er starb am 25. Mai 1934.

Die St Paul’s Suite vollendete Holst im Jahre 1913. Das Stück ist dem Orchester der Mädchenschule von St. Paul’s gewidmet. Sie hat vier Sätze und lebt von folkloristischen Melodien. Im Finale sind die beiden altenglischen Volkslieder «The Dargason» und «Greensleeves» gleichzeitig in verschiedenen Taktarten übereinandergelegt.

Echo

Zofinger Tagblatt, 21. Dezember 2010

Musikalische Adventsstimmungsbilder

Zofingen  Der Frauenchor Strengelbach und das Orchester Zofingen öffneten Klangfenster
VON KURT BUCHMÜLLER

Keine Beschreibung

Landauf und landab verkünden derzeit Weihnachtskonzerte die frohe Botschaft einer befriedeten, hoffnungsvollen Welt. Die meisten bedienen sich dazu des konventionellen Repertoires. In der Stadtkirche Zofingen wurden am Sonntagnachmittag neue Wege der Verkündigung beschritten. Sie führten in die fantastische musikalische Sprache bislang kaum bekannter Destinationen. Das Orchester und der Chor malten sie in Klangbildern aus, die beim sehr zahlreich erschienenen Publikum spontan Anklang und Verständnis fanden. Die Programmgestaltung verriet Kennerschaft. Zur Umsetzung stand mit Christoph Moor ein Dirigent am Pult, der die Aussagen und Ausdrucksmittel dieser Musik eindringlich zur Geltung bringen vermag. Den Chor einstudiert hatte Nando Brügger.

Glockenklang und barocke Fülle

Das Konzert begann mit «Cantus in Memory of Benjamin Britten» von Arvo Pärt (* 1935). Er gilt als einer der bedeutendsten lebenden Komponisten zeitgenössischer Musik auf klassischer Grundlage. Eingebettet in den fliessenden, feierlich gestimmten Klangteppich der Streicher erklang hin und wieder ein heller Glockenton. Mit zunehmender Verdichtung der Tongebung im Orchester wurde auch der Glockenschlag immer häufiger und deutlicher. Das stimmungsvolle Werk verklang in einem unendlich langen Schlussakkord, am Ende ertönte nochmals ein Glockenschlag.

Das Unvergängliche eingebracht

Mit sattem Orchesterklang, das Zeitmass des Unvergänglichen einbringend, erklang danach die feierliche «Chacony» für Streicher und Basso continuo von Henry Purcell (1659–1695), wobei der Contrabass zwischendurch auch die Führungsrolle übernahm. Das Spiel weckte eine festlich-strahlende Stimmung in der Kirche, ganz dazu angetan, die Adventszeit zu beleuchten.

Prozession bedeutet einen nach bestimmten Regeln geordneten feierlichen Aufzug. Genau dies geschah in «A Ceremony of Carols», für Weihnachten geschrieben von Benjamin Britten (1913–1976). Das neunköpfige Vokalensemble des Frauenchors Strengelbach umrundete mehrstimmig singend das Kirchenschiff und stellte sich dann im Chor auf. Von der Harfe begleitet, folgte «Walkum Yole», worin das Vokalensemble zeigte, dass es zu schwierigster Stimmführung befähigt ist. Das anschliessende Harfensolo von Anne-Martine Hofstetter-Kuijer kam beim Publikum wie Musik aus einer andern, bessern Welt an. Im weitern Verlauf des Werkes vereinigten sich Harfe und Vokalensemble zu einem dichten musikalischen Geflecht. In der Elegie «In Memoriam Rupert Brooke» gedenkt der Komponist F. S. Kelly (1881–1916) seines Dichterfreundes. Das Orchester gleitet darin durch weiche, harmonische Akkorde in ständig wechselnden Klangfarben, von der Harfe mit düsteren Einlagen untermalt.

Die vier Sätze der «St Pauls Suite» von G. Th. Holst (1874–1934) gaben dem Dirigenten nochmals Gelegenheit, das Orchester im ganzen Reichtum der darin wohnenden Klangfarben zu präsentieren. Sowohl die Streicher wie die Bläser entfalteten durch das ganze Programm hindurch ein erstaunliches Geschick im Illustrieren der Interpretationen mittels Modulation, Dynamik und Phrasierung.

«Stille Nacht, heilige Nacht»

Das Weihnachtskonzert klang aus mit dem Winter aus den «Folk Songs of the Four Saisons» von R. V. Williams (1872–1978) für Frauenchor, Harfe, Bläser und Streicher. Akzente setzende Orchesterpartien, Soloeinlagen einzelner Instrumente und die in allen Lagen geschlossene und absolut reine Stimmführung des Frauenchors hinterliessen einen nachhaltigen Eindruck. Das geschmackvoll, in voller Stimm- und Klangpracht übertragene «Stille Nacht, heilige Nacht» vertiefte ihn noch.

  2011